Men­schen­rechts­bil­dung in der Schu­le
 
 
(Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 04.12.1980 i.d.F. vom 11.10.2018)
 
 

1. Vor­be­mer­kung

Die Men­schen­rech­te sind uni­ver­sell, unteil­bar, unver­han­del­bar und unab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung unse­rer im Grund­ge­setz ver­brief­ten frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung. Men­schen­rech­te sind die ange­bo­re­nen und unver­äu­ßer­li­chen Rech­te, die jedem Men­schen auf­grund sei­nes blo­ßen Mensch-Seins zuste­hen. Men­schen­rech­te sind Freiheits‑, Gleich­heits- und Teil­ha­be­rech­te. Sie sind Rech­te, die für alle Men­schen unab­hän­gig von Geschlecht, sexu­el­ler Ori­en­tie­rung, Alter, Her­kunft, Kul­tur, Reli­gi­on, sozia­lem Sta­tus, Behin­de­run­gen oder natio­na­ler Zuge­hö­rig­keit gel­ten. Die Men­schen­rech­te wur­den erst­mals uni­ver­sell in der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te von 1948 im Völ­ker­recht ver­an­kert. Heu­te haben sich fast alle Staa­ten mit deren Rati­fi­zie­rung ver­bind­lich zur Gel­tung der Men­schen­rech­te bekannt und zu deren Umset­zung ver­pflich­tet. Dies gilt auch für wei­te­re von den Ver­ein­ten Natio­nen auf­ge­leg­te inter­na­tio­na­le Pak­te über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le sowie über bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te. Die Men­schen­rech­te sind schließ­lich Gegen­stand der Sustainab­le Deve­lop­ment Goals „Trans­for­ma­ti­on unse­rer Welt: die Agen­da 2030 für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung“. Sie sind kei­ne inne­re Ange­le­gen­heit der ein­zel­nen Staa­ten, ihre Durch­set­zung und Ein­hal­tung sind Auf­ga­be der gesam­ten Staa­ten­ge­mein­schaft.
Den Staa­ten, die die Men­schen­rech­te in ihrem Rechts­sys­tem ver­an­kert haben, kommt eine beson­de­re Ver­ant­wor­tung zu, Ach­tung, För­de­rung und Schutz der Men­schen­rech­te auch in ande­ren Staa­ten ein­zu­for­dern. Dies gilt auch für Deutsch­land, das sich nicht zuletzt in Ver­ant­wor­tung vor der eige­nen Geschich­te in der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung und in sei­nem Rechts­sys­tem zu den Men­schen­rech­ten als Grund­la­ge jeder mensch­li­chen Gemein­schaft, des Frie­dens und der Gerech­tig­keit in der Welt bekennt.
Die uni­ver­sel­le Gel­tung der Men­schen­rech­te bleibt unberührt, selbst wenn Ein­zel­per­so­nen oder gar Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter von Staa­ten die­se in Fra­ge stel­len, sich Hin­wei­se auf Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen als Ein­mi­schung in ihre inne­ren Ange­le­gen­hei­ten ver­bit­ten oder die Men­schen­rech­te unter den Vor­be­halt reli­gi­ös oder poli­tisch defi­nier­ter Nor­men stel­len. Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen sind und blei­ben Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen. Das Ver­wei­gern des Rechts auf poli­ti­sche Selbst­be­stim­mung und freie Mei­nungs­äu­ße­rung, die Ver­fol­gung und Unter­drü­ckung Anders­den­ken­der sowie von Men­schen auf­grund ihres Geschlechts, ihrer Reli­gi­on, ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung oder ihrer Her­kunft mit Aus­schluss von gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be, Gefäng­nis, Fol­ter und Tod sowie die Dis­kri­mi­nie­rung von Min­der­hei­ten gehö­ren dazu eben­so wie das Igno­rie­ren der täg­li­chen Bedräng­nis durch Man­gel und Not.

Die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz hat in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wie­der die grund­le­gen­de Rol­le der Men­schen­rech­te als Vor­aus­set­zung, Rah­men und Gegen­stand der Bil­dung betont. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se die Emp­feh­lun­gen zur Inter­kul­tu­rel­len Bil­dung und Erzie­hung in der Schu­le und zur Erin­ne­rungs­kul­tur aus den Jah­ren 2013 und 2014 sowie zur Leh­rer­bil­dung für eine Schu­le der Viel­falt aus dem Jahr 2015. Die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz nimmt das sieb­zig­jäh­ri­ge Jubi­lä­um der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te zum Anlass, die „Emp­feh­lung zur För­de­rung der Men­schen­rechts­er­zie­hung in der Schu­le“ aus dem Jahr 2000 neu zu for­mu­lie­ren.

2. Zie­le und all­ge­mei­ne Grund­sät­ze

Die Men­schen­rech­te ein­schließ­lich des Men­schen­rechts auf Bil­dung sowie die Ver­wirk­li­chung der Kin­der­rech­te gehö­ren zum Kern­be­reich des Bil­dungs- und Erzie­hungs­auf­tra­ges der Schu­le und sind auch in Schul­ge­set­zen ver­an­kert. Gemäß dem Inter­na­tio­na­len Pakt für wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te von 1966 muss „Bil­dung auf die vol­le Ent­fal­tung der mensch­li­chen Per­sön­lich­keit und des Bewusst­seins ihrer Wür­de gerich­tet sein und die Ach­tung von den Men­schen­rech­ten und Grund­frei­hei­ten stär­ken.“

Die UN-Erklä­rung über Men­schen­rechts­bil­dung und ‑trai­ning kon­kre­ti­siert als Ziel von Men­schen­rechts­bil­dung, „eine uni­ver­sel­le Kul­tur der Men­schen­rech­te zu för­dern, in der sich jeder der eige­nen Rech­te und der Ver­ant­wor­tung gegen­über den Rech­ten ande­rer bewusst ist, und um die Ent­wick­lung des Indi­vi­du­ums als ver­ant­wor­tungs­vol­les Mit­glied einer frei­en, fried­li­chen, plu­ra­lis­ti­schen und inklu­si­ven Gesell­schaft zu för­dern“ (Arti­kel 4b). Men­schen­rechts­bil­dung umfasst „Bil­dung über Men­schen­rech­te“, „Bil­dung durch Men­schen­rech­te“ und „Bil­dung für Men­schen­rech­te“.

Die Men­schen­rech­te sind somit nicht nur obers­ter Maß­stab staat­li­chen Han­delns, son­dern müs­sen auch maß­geb­lich durch die Hal­tung und das Enga­ge­ment jedes Ein­zel­nen ver­wirk­licht wer­den. Es ist eine Auf­ga­be der Schu­le, zu einer men­schen­rechts­sen­si­blen und ‑för­dern­den Hal­tung zu erzie­hen, das erfor­der­li­che Wis­sen und geeig­ne­te Urteils‑, Hand­lungs- und Gestal­tungs­kom­pe­ten­zen zu ver­mit­teln sowie zu offe­nem und akti­vem Enga­ge­ment zu ermu­ti­gen.

Von den Schü­le­rin­nen und Schü­lern per­sön­lich erleb­te Gewalt, erleb­te Dis­kri­mi­nie­rung oder Miss­ach­tung sind von Lehr- und Fach­kräf­ten ernst zu neh­men. Sie sol­len damit mög­lichst pro­fes­sio­nell umge­hen. Eben­so wich­tig ist es, das Ein­tre­ten von Schü­le­rin­nen und Schü­lern für Acht­sam­keit, Tole­ranz und Respekt in der Schu­le und dar­über hin­aus wert­zu­schät­zen und zu stär­ken. Schü­le­rin­nen und Schü­ler sol­len die Ach­tung des Mit­men­schen und sei­ner Rech­te im täg­li­chen Umgang in der Schu­le erle­ben und dar­aus Fol­ge­run­gen für das eige­ne Han­deln ablei­ten kön­nen, damit sie auf die­se Wei­se die Vor­tei­le eines acht­vol­len Umgangs mit­ein­an­der erfah­ren – wie etwa die Wah­rung und Wert­schät­zung der eige­nen Kin­der- und Men­schen­rech­te.
Ziel ist es, die Schü­le­rin­nen und Schü­ler zu stär­ken und zu befä­hi­gen, sich in ihrem per­sön­li­chen und gesell­schaft­li­chen Lebens­um­kreis für die Men­schen­rech­te und damit für ihre und die Rech­te ande­rer ein­zu­set­zen.

Schü­le­rin­nen und Schü­ler sol­len befä­higt wer­den, die Ver­wirk­li­chung der Men­schen­rech­te in ihrer umfas­sen­den Bedeu­tung für jeden ein­zel­nen Men­schen und für alle gesell­schaft­li­chen Grup­pen als grund­le­gen­den Maß­stab zur Beur­tei­lung und Bewer­tung der Lebens­ver­hält­nis­se und Ent­wick­lun­gen im eige­nen Land wie in ande­ren Län­dern zu erken­nen. Dazu gehört auch die Refle­xi­on über das Aus­maß grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit sowie von Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen in der Geschich­te und in der heu­ti­gen Zeit wie bei­spiels­wei­se Ras­sis­mus, Xeno­pho­bie, Anti­se­mi­tis­mus, Abwer­tung von Sin­ti und Roma, Mus­lim- bzw. Islam­feind­lich­keit, Sexis­mus, Homo­se­xu­el­len- und Trans­feind­lich­keit oder Über­grif­fe bzw. Dis­kri­mi­nie­run­gen gegen­über Men­schen mit Behin­de­run­gen, deren sozia­le, öko­no­mi­sche und poli­ti­sche Grün­de sowie die Bedeu­tung inter­na­tio­na­ler Zusam­men­ar­beit für die Ver­wirk­li­chung der Men­schen­rech­te.

3. Maß­nah­men der Bil­dungs­po­li­tik und Bil­dungs­ver­wal­tung, Unter­stüt­zungs­sys­te­me und außer­schu­li­sche Part­ner

Alle Maß­nah­men, die die Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz in ihren bis­he­ri­gen Emp­feh­lun­gen benannt hat, gel­ten auch im Hin­blick auf die Men­schen­rechts­bil­dung. Dies gilt für die Aus­ge­stal­tung der Lehr­plä­ne, den Unter­richt in den Fächern, für fächer­ver­bin­den­de, fach­über­grei­fen­de und außer­un­ter­richt­li­che Ange­bo­te, die Zusam­men­ar­beit mit außer­schu­li­schen Part­nern sowie die Aus­ge­stal­tung des Schul­le­bens.
Die Län­der wir­ken dar­auf hin, dass Schu­len bei der Umset­zung die­ser Emp­feh­lun­gen durch Bera­tung, Beglei­tung und Gele­gen­heit zur Fort­bil­dung von Lehr- und Fach­kräf­ten unter­stützt wer­den. Sie sor­gen dafür, dass die­se Emp­feh­lun­gen im Rah­men der Aus- und Fort­bil­dung von Lehr- und Fach­kräf­ten sowie bei der Über­prü­fung der Schul­qua­li­tät ange­mes­sen berück­sich­tigt wer­den.
Sie sor­gen dafür, dass Schu­len mit einem ent­spre­chen­den Schul­pro­fil sowie mit erfolg­rei­chen Pro­jek­ten sowie Men­schen, die sich in der Schu­le für die Men­schen­rech­te ein­set­zen, Wert­schät­zung erfah­ren und ermu­tigt wer­den, das Erreich­te wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.
Sie sor­gen über die Schul­auf­sicht und unter Ein­be­zie­hung außer­schu­li­scher Ein­rich­tun­gen, ggf. auch über Bera­tungs­lehr­kräf­te und schul­psy­cho­lo­gi­sche Diens­te sowie ört­li­che Anti-Dis­kri­mi­nie­rungs­stel­len, für ein wirk­sa­mes Beschwer­de­sys­tem.
Sie ach­ten dar­auf, dass die Inhal­te die­ser Emp­feh­lun­gen sich auch in Bil­dungs­me­di­en und Schul­bü­chern wie­der­fin­den und Schu­len befä­higt wer­den, Mate­ria­li­en ei- gen­ver­ant­wort­lich im Sin­ne die­ser Emp­feh­lun­gen zu bewer­ten und digi­ta­len Medi­en dem The­ma gemäß ver­ant­wor­tungs­voll ein­zu­set­zen.
Sie moti­vie­ren Schu­len zur Teil­nah­me an Pro­gram­men und Pro­jek­ten, mit denen sie ihr demo­kra­ti­sches Pro­fil ent­wi­ckeln und stär­ken kön­nen. Sie set­zen sich dafür ein, dass Pro­gram­me und Netz­wer­ke wie UNESCO-Pro­jekt­schu­len, Euro­pa­schu­len, Modell­schu­len für Kin­der­rech­te, „Schu­le ohne Ras­sis­mus – Schu­le mit Cou­ra­ge“ , „Jugend debat­tiert“ oder „Demo­kra­tisch Han­deln“ von den Schu­len genutzt wer­den kön­nen.
Sie ermu­ti­gen die Schu­len, Vor­ha­ben und Struk­tu­ren zu ent­wi­ckeln, um Schü­le­rin­nen und Schü­lern Gele­gen­heit zu geben, ihre eige­nen Rech­te zu for­mu­lie­ren und wahr­zu­neh­men und das Schul­le­ben ver­ant­wort­lich mit­zu­ge­stal­ten.
Sie sor­gen für die Bekannt­ma­chung erfolg­rei­cher Arbeit, damit ande­re Schu­len die­se auf­grei­fen – nach Mög­lich­keit auch län­der­über­grei­fend.

4. Umset­zung in der Schu­le

Die The­ma­ti­sie­rung und Ver­wirk­li­chung der Men­schen­rech­te, und damit auch der Kin­der­rech­te, ist Teil einer nach­hal­ti­gen und umfas­sen­den Unter­richts- und Schul­ent­wick­lung. Dies ist Auf­ga­be aller Leh­re­rin­nen und Leh­rer sowie aller in Schu­len täti­gen Fach­kräf­te und ein wich­ti­ger Gegen­stand in der Zusam­men­ar­beit von Schu­le und häus­li­chem Umfeld. Dazu gehört in beson­de­rem Maße die Ermu­ti­gung und Un- ter­stuüt­zung der Schü­le­rin­nen und Schü­ler zur Wahr­neh­mung ihrer eige­nen Rech­te und zum Ein­tre­ten für die Rech­te ande­rer.
Men­schen­rechts­bil­dung ist ein Quer­schnitts­the­ma für das gesam­te Schul­le­ben und daher auch Gegen­stand fächer­ver­bin­den­den und fach­über­grei­fen­den Unter­richts. Über ein beson­de­res Poten­zi­al für eine an den Men­schen­rech­ten ori­en­tier­te Wer­te­bil­dung ver­fü­gen ins­be­son­de­re Fächer wie Geschich­te, Politik/Wirtschaft/Sozialkunde/Sachkunde, Spra­chen, Bio­lo­gie, Reli­gi­on und Ethik/Philosophie, aber auch alle ande­ren Fächer sind gefor­dert, ihren Bei­trag zu leis­ten.
Die nach­hal­ti­ge Auf­nah­me der Men­schen­rechts­the­ma­tik in Unter­richt und in außer­un­ter­richt­li­che Ange­bo­te soll ins­be­son­de­re Wer­te, Kennt­nis­se, Ein­sich­ten und Hal­tun­gen ver­mit­teln über

-  die prak­ti­sche Bedeu­tung der Men­schen­rech­te und der Kin­der­rech­te, auch bei der Eröff­nung von Gele­gen­hei­ten zur Par­ti­zi­pa­ti­on sowie zum Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung,

-  insti­tu­tio­nel­le und gesell­schaft­li­che Vor­aus­set­zun­gen, die eine Kul­tur der Men­schen­rech­te för­dern,

-  die his­to­ri­sche Ent­wick­lung und Bedeu­tung der Men­schen­rech­te, der Gleich­be­rech­ti­gung und Gleich­stel­lung der Geschlech­ter sowie der Kin­der­rech­te, die Bedeu­tung der UN-Kon­ven­ti­on über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen,

-  die uni­ver­sel­le Gel­tung und die Bedeu­tung der Men­schen­rech­te sowohl für die Rech­te des Ein­zel­nen als auch für die Gestal­tungs­prin­zi­pi­en des demo­kra­ti­schen Rechts­staats und des demo­kra­ti­schen Zusam­men­le­bens,

-  die Bedeu­tung von Grund­rech­ten im Grund­ge­setz sowie in inter­na­tio­na­len Kon­ven­tio­nen und die Not­wen­dig­keit der Berück­sich­ti­gung eines indi­vi­du­el­len Men­schen­rechts­schut­zes im Völ­ker­recht,

-  die Bedeu­tung des Rechts­staats für die Garan­tie von Grund- und Men­schen­rech­ten (Gewal­ten­tei­lung, Ein­klag­bar­keit, Ver­fah­rens­ga­ran­ti­en),

-  die Geschich­te und heu­ti­ge Erschei­nungs­for­men grup­pen­be­zo­ge­ner Men­schen­feind­lich­keit (wie bei­spiels­wei­se Anti­se­mi­tis­mus, Abwer­tung von Sin­ti und Roma, Mus­lim- bzw. Islam­feind­lich­keit, Frem­den­feind­lich­keit, Ras­sis­mus, Sexis­mus oder Homo­pho­bie) sowie aktu­el­le Ent­wick­lun­gen von Miss­ach­tung und Ver­let­zung der Men­schen­rech­te in ver­schie­de­nen poli­ti­schen Sys­te­men,

-  die Gel­tung der Men­schen­rech­te gera­de für beson­ders gefähr­de­te Grup­pen und von Dis­kri­mi­nie­rung bedroh­ten oder betrof­fe­nen Men­schen,

-  die beson­de­re Gel­tung der Men­schen­rech­te in Extrem­si­tua­tio­nen, zum Bei­spiel das abso­lu­te Fol­ter­ver­bot auch im Kon­text der Gefah­ren­ab­wehr,

-  mög­li­che Gefähr­dun­gen der Kin­der- und Men­schen­rech­te der Schü­le­rin­nen und Schü­ler.

5. Emp­feh­lun­gen zur Wei­ter­ent­wick­lung

Die Län­der ver­stän­di­gen sich auf fol­gen­de Maß­nah­men zur Umset­zung und zur Wei­ter­ent­wick­lung die­ser Emp­feh­lun­gen:

  • Ein­rich­tung eines regel­mä­ßi­gen Aus­tauschs zwi­schen den Län­dern unter Ein­be­zie­hung bewähr­ter qua­li­täts­vol­ler län­der­über­grei­fen­der Pro­gram­me, Wett­be­wer­be und Pro­jek­te,
  • Betei­li­gung der Bun­des­zen­tra­le und Lan­des­zen­tra­len für poli­ti­sche Bil­dung, Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­len des Bun­des und der Län­der, des Deut­schen Insti­tuts für Men­schen­rech­te sowie wei­te­rer zivil­ge­sell­schaft­li­cher Akteu­re und Trä­ger der außer­schu­li­schen poli­ti­schen Bil­dung,
  • Betei­li­gung an bun­des­wei­ten, län­der­über­grei­fen­den und inter­na­tio­na­len Pro­gram­men zur Stär­kung des Enga­ge­ments von Schu­len für Men­schen­rechts­bil­dung,
  • Wei­ter­ent­wick­lung, Ver­zah­nung und Ver­net­zung von Pro­gram­men zur Per­sön­lich­keits­stär­kung sowie zur wirk­sa­men Prä­ven­ti­on von und Inter­ven­ti­on bei Gewalt und Mob­bing, auch Cyber­mob­bing,
  • Ein­be­zie­hung der Men­schen­rechts­bil­dung in inter­na­tio­na­le Pro­gram­me sowie den Schü­ler­aus­tausch.

6. Ver­wei­se

Die­se Emp­feh­lun­gen ste­hen im inhalt­li­chen Zusam­men­hang mit zahl­rei­chen Beschlüs­sen und Emp­feh­lun­gen der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz. Ins­be­son­de­re sei­en genannt:

  • Erklä­rung der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 03.03.2006 zur Umset­zung des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen über die Rech­te des Kin­des – Beschluss der KMK vom 03.03.2006
  • Emp­feh­lung der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) und der Deut­schen UNESCO-Kom­mis­si­on (DUK) zur „Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung in der Schu­le“ vom 15.06.2007
  • Euro­pa­bil­dung in der Schu­le – Beschluss der KMK vom 08.06.1978 i. d. F. vom 05.05.2008
  • Päd­ago­gi­sche und recht­li­che Aspek­te der Umset­zung des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen vom 13. Dezem­ber 2006 über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen (Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on — VN-BRK) in der schu­li­schen Bil­dung – Beschluss der KMK vom 18.11.2010
  • Inklu­si­ve Bil­dung von Kin­dern und Jugend­li­chen mit Behin­de­run­gen in Schu­len – Beschluss der KMK vom 20.10.2011
  • Medi­en­bil­dung in der Schu­le – Beschluss der KMK vom 08.03.2012
  • Emp­feh­lung der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz zur kul­tu­rel­len Kin­der- und Jugend­bil­dung – Beschluss der KMK vom 01.02.2007 i. d. F. vom 10.10.2013
  • Ver­brau­cher­bil­dung an Schu­len – Beschluss der KMK vom 12.09.2013
  • Inter­kul­tu­rel­le Bil­dung und Erzie­hung in der Schu­le – Beschluss der KMK vom 25.10.1996 i. d. F. vom 05.12.2013
  • Erin­nern für die Zukunft – Emp­feh­lun­gen zur Erin­ne­rungs­kul­tur als Gegen- stand his­to­risch-poli­ti­scher Bil­dung in der Schu­le – Beschluss der KMK vom 11.12.2014
  • Leh­rer­bil­dung für eine Schu­le der Viel­falt – Gemein­sa­me Emp­feh­lung von Hoch­schul­rek­to­ren­kon­fe­renz und Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (Beschluss der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz vom 12.03.2015/Beschluss der Hoch­schul­rek­to­ren- kon­fe­renz vom 18.03.2015)
  • Leit­li­ni­en zur Siche­rung der Chan­cen­gleich­heit durch geschlech­ter­sen­si­ble schu­li­sche Bil­dung und Erzie­hung – Beschluss der KMK vom 06.10.2016/Beschluss der Kon­fe­renz der Gleich­stel­lungs- und Frau­en­mi­nis­te­rin­nen und ‑minis­ter, ‑sena­to­rin­nen und ‑sena­to­ren der Län­der vom 15./16.06.2016)
  • Gemein­sa­me Erklä­rung des Zen­tral­rats der Juden in Deutsch­land und der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz zur Ver­mitt­lung jüdi­scher Geschich­te, Reli­gi­on und Kul­tur in der Schu­le – Beschluss des Prä­si­di­ums des Zen­tral­rats der Juden in Deutsch­land vom 01.09.2016 und Beschluss der KMK vom 08.12.2016
  • Stra­te­gie der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz „Bil­dung in der digi­ta­len Welt“ — Beschluss der KMK vom 08.12.2016 i. d. F. vom 07.12.2017
  • Dar­stel­lung von kul­tu­rel­ler Viel­falt, Inte­gra­ti­on und Migra­ti­on in Bil­dungs­me­di­en – Gemein­sa­me Erklä­rung der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz, der Orga­ni­sa­tio­nen von Men­schen mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund und der Bil­dungs­me­di­en­ver­la­ge – Beschluss der KMK vom 08.10.2017
  • Demo­kra­tie als Ziel, Gegen­stand und Prin­zip schu­li­scher Bil­dung und Erzie­hung – Beschluss der KMK vom 06.03.2009 i. d. F. vom 11.10.2018
  • Die hier auf­ge­führ­ten KMK-Beschlüs­se ori­en­tie­ren sich auch an inter­na­tio­na­len Beschlüs­sen, v. a.:
  • Ver­ein­te Natio­nen: All­ge­mei­ne Erklä­rung der Men­schen­rech­te vom 10.12. 1948
  • Euro­pa­rat: Kon­ven­ti­on zum Schut­ze der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten (Euro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on / EMRK) vom 4.11.1950 – Ers­tes Zusatz­pro­to­koll vom 20.3.1952
  • UNESCO: Über­ein­kom­men gegen Dis­kri­mi­nie­rung im Unter­richts­we­sen von 1960
  • Ver­ein­te Natio­nen: Über­ein­kom­men zur Besei­ti­gung jeder Form von ras­sis­ti­scher Dis­kri­mi­nie­rung vom 21.12.1965
  • Ver­ein­te Natio­nen: Über­ein­kom­men zur Besei­ti­gung jeder Form von Dis­kri­mi­nie­rung der Frau (CEDAW) vom 18.12.1979
  • Ver­ein­te Natio­nen: Inter­na­tio­na­ler Pakt über bür­ger­li­che und poli­ti­sche Rech­te (Zivil­pakt) vom 16.12.1988
  • Ver­ein­te Natio­nen: Inter­na­tio­na­ler Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te (Sozi­al­pakt) vom 16.12.1966
  • UNESCO: Emp­feh­lung über die Erzie­hung zu inter­na­tio­na­ler Ver­stän­di­gung und Zusam­men­ar­beit und zum Frie­den in der Welt sowie die Erzie­hung zur Ach­tung der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten von 1974
  • Ver­ein­te Natio­nen: Kon­ven­ti­on über die Rech­te des Kin­des vom 20.11.1989
  • Ver­ein­te Natio­nen: Kon­ven­ti­on über die Rech­te von Men­schen mit Behin­de­run­gen vom 13.12.2006
  • Erklä­rung der Ver­ein­ten Natio­nen über Men­schen­rechts­bil­dung und ‑trai­ning vom 16.12.2012
  • UNESCO: Road­map zur Umset­zung des Welt­ak­ti­ons­pro­gramms Bil­dung für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung (2015–2019), 2014
  • Ver­ein­te Natio­nen: Trans­for­ma­ti­on unse­rer Welt: die Agen­da 2030 für nach­hal­ti­ge Ent­wick­lung vom 18.09.2015ü